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Schnurmalereien aus dem Estrich der Schönau

Bild: Barbara Faissler

In der Schönau gibt es viele verborgene Schätze. Einer davon sind die riesigen Schnurmalereien von Margrit Schlumpf-Portmann. Die 2017 verstorbene Schweizer Künstlerin arbeitete über 15 Jahre in einem Atelier in der Schönau. Nun bringt die Tochter der Künstlerin, Sara Mürner, die Werke ans Licht. Sie möchte sie einem grösseren Publikum zugänglich machen und präsentiert sie deshalb im Schönauraum mehreren Museen.

«Die Hanfschnüre für ihre Werke hat sie alle selbst eingefärbt. Für eine Schnurmalerei brauchte sie rund ein Jahr, so aufwändig war diese Arbeit», erzählt Sara Mürner, während sie eines der riesigen Schnurkunstwerke, zusammen mit zwei weiteren Helfern, an die Decke mitten im Schönauraum befestigt. Margrit Schlumpf-Portmann widmete rund 20 Jahre ihrer künstlerischen Tätigkeit den sogenannten «Schnurmalereien» und kreierte auf meist grossflächigen Stoffunterlagen Gemälde, indem sie gefärbte Schnur auf einen Untergrund klebte. Mit dieser Technik entstanden grosse Kunstwerke, die auf den ersten Blick wie Malereien wirken. Aus der Nähe betrachtet, wird schnell klar, wie aufwändig und minutiös mit den Schnüren gearbeitet wurde.

Margrit Schlumpf-Portmann arbeitete diszipliniert und zurückgezogen an ihren Werken, erzählt die Tochter Sara Mürner. Ihren Werken sehe man an, dass sie ihrer Zeit voraus war: «Sie hat in ihrer Arbeit gesellschaftspolitische und vor allem emanzipatorische Themen aufgegriffen». Besonders das Werk namens `Bewegung`, welches den ungleichen Kampf der Geschlechter darstelle, widerspiegle den heutigen Zeitgeist sehr gut, so Mürner. Die gesellschaftskritische direkte Art von Margrit Schlumpf-Portmann kam nicht überall gut an. Da sie sich in der Schweiz als weibliche Textilkünstlerin in den 80er Jahren nicht ernst genommen fühlte, stellte sie viel in Italien, aber auch in Paris und New York aus.

Ab 1985 begann die Künstlerin zudem Skulpturen aus Gips zu giessen. Auch von diesen sind einige derzeit im Schönauraum zu sehen. «Es ist ein Glücksfall für mich, kann ich die Werke meiner Mutter in der Schönau präsentieren. Mir liegt es sehr am Herzen, dass die Werke nochmals einem grösseren Publikum gezeigt werden können. Die Werke beeindrucken Menschen tief durch ihre intensiven Farben, die warmen Materialien und ihre Aussagen». Deshalb präsentiert Sara Mürner die Werke nun im Schönauraum verschiedenen Museen. Das Kunstmuseum Thurgau, das Musée visionnaire, das Museum für Gestaltung aus Zürich und das Textilmuseum St. Gallen schauen sich die Werke an.

Denn auch in Fachkreisen gilt der Nachlass von Margrit Schlumpf-Portmann als erhaltenswert. Zusammen mit der Kresau4 Stiftung und der Kuratorin Bettina Staub hat Sara Mürner den Nachlass ihrer Mutter aufgearbeitet. Nebst der Präsentation für die interessierten Museen und Institutionen, wird Sara Mürner diesen Herbst drei Werke und eine Gipsskulptur im Glockenhaus in Steckborn ausstellen. Einen Einblick in die Werke der Künstlerin gibt es online auf https://margrit-schlumpf-portmann.kleio.com.

Bild: Barbara Faissler
Bild: Barbara Faissler
Bild: Barbara Faissler
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Aktuelles Schätze der Schönau

Einblicke ins Innenleben der Schönau

Die Menschen, die in der Schönau arbeiten oder leben, haben vor allem eines gemeinsam: Sie alle haben einen starken Bezug zu diesem besonderen Ort. Das gilt auch für die Fotografin Barbarba Faissler, die selbst seit bald 20 Jahren ihr Atelier im ehemaligen Spinnereigebäude hat, und sich vor rund drei Jahren auf Entdeckungsreise begeben hat: Sie hat Ihre Nachbar*innen – Kreative, Gewerbetreibende und langjährige Bewohner*innen –  in persönlichen Gesprächen näher kennengelernt und danach fotografiert.

War mit der Kamera auf der Suche nach der Seele der Schönau: Fotografin Barbara Faissler.

«Mich hat fasziniert, wie vielfältig und individuell die Menschen in der Schönau sind und wie sie eine ebenso lose wie starke Gemeinschaft bilden», sagt Barbara Faissler. Verbindend sei vor allem der emotionale Bezug zur Schönau, der wiederum die Stimmung in den historischen Räumen präge. Diesen Bezug und mit ihm die Kraft, die das zwischengenutzte Fabrikareal ausstrahlt, macht die Fotografin in den 54 Schwarz-weiss-Bildpaaren eindrücklich sicht- und spürbar: Sie zeigt die Porträtierten jeweils einmal sehr direkt in einer Nahaufnahme und einmal fast schon versteckt in der Weite eines Innen- oder Aussenraums der Schönau. 

Das Buch stellt die Menschen und den Raum in den Fokus und geht der Frage nach, wer wen beeinflusst.

Bereits 2018 hat die Fotografin Ihr Projekt in einer viel beachteten Ausstellung in der Schönau vorgestellt. Nun ist das Buch dazu erschienen – mit zusätzlichen Autorenbeiträgen von Schönau-Kennern. Es ein zeitloses Dokument für alle, die diesen einzigartigen Ort kennenlernen und verstehen wollen.

Der Bildband «Wirken im Wandel» kann für 59 CHF (plus Versandkosten) bestellt werden unter: https://nepos.ch/buch